Karen Geyer: Die Kunstvermittlerin der Manifesta 11 liebt die Melodie des Zufalls

Als Klangkünstlerin befrage ich seit Jahren Menschen über das Prinzip des Zufalls in ihrem Leben. Ich habe viel Zeit in Amerika verbracht, um das Leben ausgewanderter Flüchtlinge aufzuzeichnen. Durch Oral History habe ich gelernt, zuzuhören. Diese Fähigkeit kommt mir nun als Kunstvermittlerin bei der Manifesta 11 zu Gute. Gebe ich den Leuten Zeit und Raum, ihre eigenen Gedanken zu entwickeln, kommen viele verschiedene Ideen und Wahrnehmungen zusammen. Wenn ich am Ende der Tour die Smiles in den Gesichtern sehe, weiss ich: Es hat funktioniert. Als Künstlerin ist mein Pseudonym Grauton, als Kunstvermittlerin kleide ich mich gerne bunt. Es macht mir Spass zu überlegen, wie ich mich für eine bestimmte Gruppe anziehe. Durch das Kleiden kann ich mich in verschiedene Rollen begeben. Oder mich den Rollen anderer annähern. So ist auch für mich jede Führung ein Erlebnis. Dieses Spiel mit Identitäten und gegenseitiger Einflussnahme ist ja auch Programm dieser Manifesta: Künstler tun sich mit Leuten verschiedener Berufsgruppen zusammen zwecks gegenseitiger Inspiration. Diese Verknüpfung bringt eine Qualität mit sich, die faszinierend ist. 

(Foto: Susanne Grädel)