Aurélie Pittori: Mit der Kunstvermittlerin der Manifesta 11 raus aus der Komfort-Zone

Die Manifesta 11 richtet sich an Kunst-Snobs genauso wie an Kunstbanausen. Das finde ich ganz wichtig. Für mich ist zeitgenössiche Kunst ein Geschenk für uns alle und sie hat eine gesellschaftliche Funktion. Sie soll zum Dialog beitragen, da nützt es wenig, wenn nur ein paar Intellektuelle untereinander kommunizieren. Doch leider fühlen sich viele Menschen ausgeschlossen, sobald es um Kunst geht. Ich will diese Menschen mit ins Boot holen und ihnen zeigen, dass zeitgenössische Kunst auch für sie eine Bedeutung hat. Deswegen bin ich Kunsthistorikerin geworden und deswegen arbeite ich jetzt als Vermittlerin bei der Manifesta 11. Auch das Konzept der Kollaborationen der Manifesta 11 will Brücken schlagen. Es stösst den Dialog an zwischen Künstlern und unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppierungen. Das ist in vielen Fällen schön gelungen. Eines meiner Lieblingswerke der Manifesta 11 sind die Zeichnungen von Andrea Éva Győri. Ich mag es, wie sie das Tabuthema der Sexualität und Selbstbefriedigung angeht. Es ist provokativ auf eine sehr subtile Art. Die meisten Menschen müssen ihre Komfortzone verlassen, um über diese Themen sprechen zu können. Hier kann ich als Vermittlerin helfen, diesen Schritt zu wagen.

(Foto: Susanne Grädel)